Die diesjährige Frühjahrswanderfahrt führte uns in den Odenwald. Mit 17 Wanderinnen und Wanderern haben wir uns sowohl den Norden des Odenwalds mit seinen Weinbergen und Streuobstwiesen um Gross-Umstadt als auch mit zwei Wandrungen das Zentrum um Bad König, Michelstadt mit seinem mittelalterlichen Kern und Erbach erschlossen. Den Abschluss bildete eine Aussichtswanderung von Schöllenbach über das Dreiländereck HE/BY/BW und zurück in den südlichen Teil. Die Wanderungen und Tage wurden wie üblich in ausgewählter, örtlicher Gastronomie beschlossen.
Organisiert wurde die Wanderfahrt von Waltraud und Andreas Menzel.
Tag 1 - Erste Wanderung Schöne Weinsicht, Petermannsruh und um Gross-Umstadt
Nach dem 1. Abendessen in unserem Hotel verteilt Andreas Glückslose. Ich bin tatsächlich einer der Gewinner und darf über den Ankunftstag und die 1. Wanderung berichten.
Los geht’s:
Als Treffpunkt ist am Ankunftstag gegen 12:00/12:30 der Parkplatz vor der Zufahrt zum Hotel Jakob in Groß-Umstadt vereinbart.
Termingerecht erreichen Monika und ich die verabredete Stelle und freuen uns, Andreas zu sehen, von dem wir herzlich begrüßt werden.
Nach und nach trudeln die übrigen Teilnehmer und diejenigen, die schon am Vortag angereist sind, ein, um nach fröhlicher Umarmung und herzlicher Begrüßung die 1.
Wanderung zu starten. Doch bevor es endgültig losgeht wird ein Gruppenbild „geschossen“!
Steil folgen wir nun im Gänsemarsch einem schmalen Pfad, der durch ein lichtes Wäldchen führt und stehen - oben angekommen - schon mitten in den Weinbergen. Von der
„Weinsicht am Herrenberg“ - so der Name des schon zum dritten Mal prämierten Aussichtspunktes, der mit einer stilisierten Weintraube gekennzeichnet ist, geht der Blick über die Weinberge auf den
im Talkessel liegenden Ort und in die Ferne. Die gegenüberliegende Talseite sieht aus wie ein Flickenteppich aus sauber abgegrenzten Rapsfeldern, grünen Wiesen und noch braunen
Ackerflächen.
Weiter geht es durch die Weinberge langsam wieder ins Tal. Grüne, salbeiblaue, kerbelweiße und hahnenfußgelbe Wiesenflächen säumen unseren Weg. Bald rasten wir an
einer hölzernen Bank. Gemütlich im warmen Gras liegend verspeisen wir unser mitgebrachtes Picknick. Danach geht es immer weiter abwärts und schon bald überqueren wir eine Landstraße und
kommen an einem Pferdehof vorbei. Hinter Elektrozaun geschützten Weiden friedlich grasende Pferde. Ein schwarz-weiß gepunktetes Pferdchen erinnert an Pipi Langstrumpfs „Kleinen Onkel“. Vielleicht
hat sie ihn hier in Pflege gegeben! Steil geht es nun entlang an Wiesen und kleinen Hecken aufwärts, bis wir unvermutet wieder inmitten der Weinberge stehen. Hinter einem Maschendrahtzaun grüßen
uns blökend kleine Lämmer mit ihren Mutterschafen. Rasch erreichen wir die historische Wendelinuskapelle, die von unserem Rastplatz aus eben noch so unendlich weit entfernt gelegen schien. Von
hieraus geht ein grandioser Blick auf die Stadt und in die Weite. Eine Infotafel erklärt, dass wir im Dunst der Ferne sogar die Berge des Hunsrücks und die Skyline Frankfurts erahnen
können.
Nun geht es nur noch abwärts und bald tauchen die ersten Häuser der Stadt wieder auf. Enge Gässchen mit malerischen gut erhaltenen Fachwerkbauten bestimmen
das Altstadtbild. Wir erreichen den großen gepflasterten Marktplatz, der von einem prächtigen Rathaus im Renaissancestil beherrscht wird. Dieses wurde Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet. Das
Dach ist von einem mächtigen Giebel und vierzehn mit Türmchen geschmückten Gauben gekrönt. An dem hell verputzten Gebäude prangt ein imposantes von rosarotem Sandstein umgebenes Eingangsportal,
an dessen rechter Seite die „Umstädter Elle“ angebracht ist. Das ist eine Eiseneinlage, die als sogenannte „Tuchmacherelle“ früher den Händlern als verbindliches Marktmass zur Messung von
Stoffen diente.
Der Platz ist von gut erhaltenen Fachwerkhäusern und herrschaftlichen Gebäuden umgeben und in seiner Mitte erhebt sich der sogenannte „Bietbrunnen" mit der
„Bietjungfer“. Restaurants mit Aussenbewirtung vermitteln mediterranes Flair und ein Café lockt uns zur Einkehr.
Gestärkt von der Wanderung fahren wir zu unserem Standquartier, dem Gasthaus zur Krone in Bad König. Dort werden die Schlüssel verteilt, jeder bezieht sein
Zimmer, richtet sich kurz ein und schon bald ist Zeit für das Abendbrot, an dessen Ende die Lose verteilt werden.
Wir sitzen noch eine Weile plaudernd beisammen, aber nach dem langen und ereignisreichen Tag zieht sich einer nach dem anderen auf sein Zimmer
zurück.
Wir freuen uns auf den morgigen Tag und sind gespannt was er uns bringen wird!
Ursula Liebchen
Link zur Wanderung Schöne Weinsicht
Tag 2 - Wanderung um den Fürstengrund durch Bad König
Nach dem Frühstück (sehr schönes Bufett) starteten wir um 9.30 Uhr zum Wanderparkplatz „Saubusch
Fürstengrund“ in Bad König, wo sich Ernst und Johannes auf eine eigene, etwas kürzere Wandertour
aufmachten. Dort begann unsere wunderbare Wanderung um Bad König herum (12 km und 250
Höhenmeter).
In mehr oder weniger gutem Zustand kamen wir zu unseren Autos zurück, wobei uns die letzten fünf
Minuten noch einen Regenschauer bescherten.
Nachdem wir in Bad König Doris und Gottfried „eingesammelt“ hatten, da sie mangels Adresse das Café
nicht auf Anhieb fanden, saßen wir bald warm und trocken im Café „Kaffee-Kännchen“ mit einer
grandiosen Kuchenauswahl, so dass alle Anstrengungen schnell vergessen waren.
Das Abendessen fand heute im 11 km entfernten „Hotel Restaurant Krone“ in Höchst-Hetschbach statt,
wo wir den erlebnisreichen Tag ausklingen ließen.
Vielen Dank Andreas für diesen schönen Wandertag
Monika Wichert
Link zur Wanderung Fürstengrund
Tag 3 - Panoramaweg Michelstadt-Erbach
Nach einem ausgiebigen Frühstück im Gasthof Krone fuhren wir alle zusammen nach Michelstadt zum Parkplatz am Bienenmarktgelände. Hier begann die Wanderung. An
einem Bronzemodell von Michelstadt wurde ein Gruppenfoto gemacht.
Das erste Stück des Weges wanderten wir alle zusammen. Doris, Ernst und Johannes wählten eine kürzere Route.
Waltraud, Andreas, Emma, Gottfried, Uschi, Monika, Uli, Jutta, Anne, Maria, Martin, Annelie, Mechthild und Wilfried mit den Wanderhunden Holly und Chico wanderten
Richtung Erbach. Durch grüne, abwechslungsreich blühende Wiesen geht es bergauf zum Panoramaweg. Oben angekommen hatten wir einen wunderschönen Panoramablick auf Michelstadt. Weiter ging es auf
sehr schönen, gut begehbaren Wanderwegen. Durch einen Friedwald mit lichtem Nadelwald und moosbedecktem Waldboden kamen wir auf die Sophienhöhe. Dort hatten wir einen herrlichen Panoramablick auf
Erbach. Nach einer wohlverdienten Pause mit Stärkung wanderten wir weiter talwärts in Richtung Erbach. Wir erreichten den Markplatz mit Schloss Erbach, dem Alten Rathaus mit einer Bronzefigur des
Räibock in Erbach – traditionelle Figur aus dem Odenwald - und einem Denkmal des Grafen Franz I zu Erbach-Erbach. Durch Erbach fließt die Mümling. Auf der anderen Flussseite liegt das Erbacher
Brauhaus. Durch einen Torbogen des alten Rathauses wanderten wir weiter und kamen zum Gänsegretel-Brunnen. Am Mümlingufer entlang kamen wir zum großen Sportpark und zur Erbach-Doline. Es handelt
sich um eine beeindruckende Steinformation, die sich aus Ablagerungen des Meeres im Laufe von Jahrmillionen gebildet haben. Hier gibt es den Erdbacheinschlupf mit einem kleinen Wasserfall. Über
Waldwege, vorbei an blühenden Wiesen kamen wir bis zur Stockheimer Eiche. Talabwärts erreichten wir den 1938 bei Grabungen entdeckten Grundriss der alten Heilig-Kreuz- Kapelle von Michelstadt.
Es soll sich um eine alte Friedhofskapelle handeln. Durch lichten Laubwald erreichten wir Michelstadt. Hier gibt es das berühmte Weltmeister Cafe Siefert von dem Weltmeister der Konditoren Bernd
Siefert. Wir trafen Doris, Ernst und Johannes wieder. Nach einem Rundgang durch Michelstadt mit vielen schönen alten Fachwerkhäusern und einem Besuch in der Synagoge fuhren wir zurück in den
Gasthof Krone nach Bad König. Bei einem gemütlichen Abendessen im Eulbacher Hof in Bad König ließen wir den wunderschönen, erlebnisreichen Tag ausklingen.
Mechthild Wolber
Tag 4 - Aussichtswanderung von Schöllenbach zum Dreiländereck HE/BY/BW
Wie üblich ging es am Morgen nach dem Frühstück um 9:30 Uhr los. Einige Wanderfreunde hatten ein wenig Hummeln in der Hose und fuhren schon vor. Die darauf folgende Erfahrung zeigte: Den Wanderführern folgen oder im Konvoi fahren sind die sichereren Optionen.
Am Wanderparkplatz Eutersee hinter Schöllenbach angekommen stellten die Wanderführer nämlich fest, dass aus 17 „kleinen Negerlein“ 5 geworden waren. Ernst und Emma sowie Johannes und Doris hatten sich schon am Morgen für eine weniger anstrengende Strecke entschieden. Nun hatten sich Jutta und Monika mit ihren jeweils 3 Mitfahrern offensichtlich verfahren. Während Jutta’s Fahrzeug nach einiger Zeit eintraf, entschieden die 9 „letzten Mohikaner“ sich aufgrund der langen Wartezeit bis zum Eintreffen von Monika’s Fahrzeug bereits loszuwandern und nicht weiter zu warten. Monika mit ihren Mitfahrern Annelie, Gottfried und Uschi kamen später noch am Parkplatz an und wanderten getrennt von der Hauptgruppe. Dieser Bericht enthält nur die Beschreibung der Wanderung der Hauptgruppe.
Für deren 9 Wanderfreunde ging es bereits auf den ersten Kilometern steil bergauf nach Hesselbach. Der „Endgegner“ wurde sozusagen schon am Anfang besiegt. Oben im schönen Örtchen Hesselbach angekommen wurden Häuser, Gärten und vor allem die alte Kirche mit einer uralten gefassten Quelle bewundert. Erklärungstafeln an der Kirche berichteten, dass Hesselbach ein alter Wallfahrtsort ist und für das Hesselbacher Goldkreuz aus dem 11. Jahrhundert bekannt ist. Leider war die Kirche nur bis zu einem Gitter am Eingang zugänglich und auch eine blumengießende Dame am Altar war nicht zu überreden, uns in die Kirche zu lassen, um die vor dem Altar an der Decke hängende Replik des Kreuzes zu bewundern, denn ihre Frage „Seid Ihr die Wallfahrer für die Heilige Messe um 15 Uhr?“ konnten wir in Anbetracht des heiligen Ortes nur wahrheitsgemäß mit „nein“ beantworten.
Weiter ging es in den Wald zum Limesweg leicht aufwärts zum Deiländerstein. Die sich nun häufiger zeigende Sonne bereitete uns wunderschöne Bilder im Spiel von Licht und Schatten auf den Waldlichtungen. Standesgemäß wurde der Dreiländerstein (hier trafen das Königreich Bayern und die Großherzogtümer Baden und Hessen-Darmstadt) aufeinander, heute die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und der Freistaat Bayern) für ein Gruppenfoto genutzt. Weiter ging es durch den Wald wo Rehe davonstoben, vorbei an Relikten und Denkmälern römischer Befestigungsanlagen des Limes. Kurzzeitig verloren wir den eigentlichen Weg und nahmen ein paar hundert Meter Wildweg mit romantischer Bachüberquerung in Kauf. Am Parkplatz ankommend stellte die Hauptgruppe fest, dass Monika und ihre 3 weiteren Musketiere exakt auf die Minute gleichzeitig von ihrer Wanderung zurückkamen.
Es gab ein großes Hallo.
Nach der Rückkehr in die Heimatbasis „Zur Krone“ machten wir uns auf den Weg nach Momard zum Hotel-Restaurant „Zur Post“. Die Youngster Andreas und Waltraud sowie Maria und Martin hatten noch Bewegungsdrang und wanderten hoch. Vor dem Essen würdigte Gottfried in einer sehr angemessenen und bewegenden Ansprache das Engagement von Waltraud und Andreas, welche die Wanderfahrt so wunderbar organisiert haben.
Martin Vehrenberg